Antrag für blühende Ränder am Ravelweg

    Termin: 15.01.2019 18:02

     

    Bündnis 90/DIE GRÜNEN Roetgen:

    Bauausschuss am 15.1.2019
    Alternativer Beschlussvorschlag zu den Pflegearbeiten am Ravelweg:

    „Damit entlang des Ravelwegs Wild- und Wiesenblumen wachsen, beschließt der Bauausschuss, die Bankettpflege vom Mulchen auf Mähen (mit einem Mähbalken auf einer Breite von 1-1,5m) mit Abräumen des Mahdgutes umzustellen. Die Mahd erfolgt bis zu zweimal im Jahr zu ökologisch sinnvollen Zeitpunkten. Dabei werden nicht alle Flächen gleichzeitig gemäht. Hierzu kann eine Abstimmung mit der Biostation erfolgen.
    Die gründliche Graben- und Bankettpflege erfolgt im Zweijahresrhythmus. Dabei werden nicht beide Seiten des Weges gleichzeitig, sondern jährlich abwechselnd bearbeitet. Der Ginster sowie nichtstörende Bäume bleiben erhalten, die freizuhaltenden Zugänge zu den Gräben werden auf ein Minimum begrenzt.“
     

    Begründung:

    Blühende Blumen am Wegesrand:

    Die Vennbahn hat sich zu einem „Publikumsmagneten“ entwickelt. Dabei schätzen die Menschen – neben dem steigungsarmen Radweg und der Landschaft – vor allem auch die herrliche Vegetation rechts und links der Strecke. Der blühende Ginster (das „Eifelgold“) sowie die blühenden Wildblumen auf den Schotterstreifen sorgen für Begeisterung. Daher sollten sich notwendige Pflegemaßnahmen daran orientieren. 

    Die Bankette der Vennbahn bieten schon jetzt sehr gute Voraussetzungen für dauerhafte Blühstreifen mit einheimischen Wildblumen, denn die größte Vielfalt an wilden Blühpflanzen findet sich auf mageren, steinigen Standorten, wie sie an der Vennbahn gegeben sind. Die regionale Wildflora ist die Nahrungsgrundlage für viele Insekten, und die Anlage von Blühstreifen ist aktiver Insektenschutz.

    Um Blühstreifen dauerhaft zu erhalten ist das Mähen unerlässlich. Dadurch wird die Konkurrenz stärker wachsender Wildpflanzen gebremst, und konkurrenzschwächere Blumen erhalten die Möglichkeit sich auszusäen und dadurch zu erhalten. Außerdem beugt das Mähen der Verbuschung vor.
    Wichtig ist aber auch, dass die Flächen zwar gemäht, aber auf keinen Fall gemulcht werden. Durch das Mulchen werden Nährstoffe im Boden angereichert, was unweigerlich zum Verlust der blühenden Vielfalt führen wird. Dem kann entgegengewirkt werden, indem das Mähgut nach der Mahd abgeräumt und abgefahren wird. Im Idealfall sollte es vorher noch ein paar Tage trocknen können, so dass die Samen der Blumen ausfallen können.

    Gemäht wird in einer Höhe von 10 bis 12 cm. Der Einsatz eines Balkenmähers (oder Mähbalken als Anbaugerät) hat sich als die für die Tierwelt schonendste Methode herausgestellt, der die wenigsten Tiere zum Opfer fallen. Bei einem Mulchmäher gibt es, wie man sich unschwer vorstellen kann, für die vom Mähwerk erfassten Tiere keine Entkommen...
    Der richtige Zeitpunkt für die Mahd ist letztendlich abhängig davon, welcher Zweck verfolgt wird.  Im Prinzip gibt es keinen richtigen Zeitpunkt, denn für die Insekten ist die Mahd immer eine Katastrophe, da das Nahrungsangebot schlagartig zusammenbricht. Hier bieten sich gestaffelte Mähzeitpunkte an, d.h. die Mahd erfolgt abschnittsweise, z.B. erst die eine Seite des Weges, und ein paar Wochen später, wenn schon wieder Blumen nachgewachsen sind, die andere Seite. Auch ist es sinnvoll, Zeitpunkte und Staffelungen jährlich zu wechseln.

    Die Grabenpflege, so sie denn notwendig ist, sollte so schonend wie möglich erfolgen. In der Vorlage wird dargestellt, dass der Ginster, aber auch nicht störende Bäume, erhalten bleiben sollen. Gut ist, dass die Gräben nicht jedes Jahr ausgeräumt werden sollen, sondern im Zwei-Jahres-Rhythmus. Hier ist eine alternierende Pflege sinnvoll, d.h. jedes Jahr wird nur eine Seite des Weges bearbeitet, im Jahr darauf die andere. Dadurch hätten die Insekten, die an oder in Gräsern und Stengeln überwintern eine Überlebenschance, und die Samenstände der Hochstauden könnten den Vögeln als Winternahrung dienen. 

    Uns ist bewusst, dass diese Art von Pflege der Bankette für den Bauhof möglicherweise ein wenig Mehrarbeit und Umorganisation bedeutet, und u.U. auch die Anschaffung eines neues Mähgerätes erforderlich ist. Aber mit dem Ausbau des Ravelweges haben wir quasi ein blühendes Band geschenkt bekommen, dass sich durch die ganze Gemeinde schlängelt und viele Nutzer*innen des Weges erfreut. In den ersten Jahren konnte man hier tatsächlich mal einen Sommerblumenstrauß pflücken – wie früher! Viele Gemeinde legen heute wieder Blühstreifen und Blumenwiesen an, was u.U. mit hohem Aufwand verbunden sein kann. Diesen Aufwand müssen wir hier nicht betreiben, es ist alles schon da, aber wir müssen die richtigen Pflegemaßnahmen ergreifen, um diese Blütenvielfalt zu erhalten.

     Das Leader-Projekt „DorfBiotop“ der Biostationen AC, DN und EU beschäftigt sich mit genau solchen Fragen und steht den Gemeinden beratend zur Seite. Und falls die Gemeinde weitere Grünflächen in Blühflächen umwandelt und auch andere Bankette schonender mähen möchte, lohnt sich auch die Anschaffung eines Balkenmähers.


    Mähen statt Mulchen??

     Auf einer Länge von rund 11,3 Kilometern schlängelt sich der Ravel-Radweg durch das Gebiet der Gemeinde Roetgen. Der Radweg auf der ehemaligen Vennbahntrasse ist zwar belgisches Hoheitsgebiet, aufgrund eines Abkommens mit der Wallonischen Region ist die Gemeinde aber zur Reinigung und zum Freischneiden von Gräben, Mulden und Durchlässen verpflichtet.

    Bislang erfolgte die Graben- und Bankettpflege zweimal im Jahr auf eine Breite von circa 1,20 Meter durch Mulchen. Das reicht zur Aufrechterhaltung der Entwässerungsgräben entlang des Radweges aber nicht aus. Die Entwässerungsgräben am Fuße des ehemaligen Bahndammes wuchern zunehmend zu, so dass diese freigeschnitten werden müssen, um den Abfluss des Oberflächenwassers weiterhin gewährleisten zu können. Das hat die Gemeindeverwaltung nun zum Anlass genommen, das bestehende System zu überdenken und den Mitgliedern des Bauausschusses eine neue Regelung vorzuschlagen.

    „Hier gibt es unterschiedliche Interessenlagen. Dem einen wird zu viel gemäht, dem anderen zu wenig oder das Falsche“, sagte Bauamtsleiter Dirk Meyer in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses. Deshalb solle die Politik eine Entscheidung treffen.

    Die Verwaltung hatte in ihrer Vorlage erklärt, dass es zur Aufrechterhaltung der Gräben unter anderem erforderlich sei, auch die Flächen, die zur Erreichbarkeit des Grabens dienen, regelmäßig zu pflegen beziehungsweise von jungen Gehölzen zu befreien, da diese nicht mehr leicht entfernt werden könnten, wenn sie zu Bäumen heranwachsen. Auch Gehölze, die sich in der Grabensohle wild angepflanzt haben, müssten entfernt werden. Erhaltenswerte Bäume und Ginster sollten aber nach Möglichkeit erhalten werden.

    „Um das Ökosystem entlang des Ravel-Radweges nicht allzu radikal zu beeinträchtigen“, werde vorgeschlagen, die Bankette in der Winterzeit von jungen Bäumen und Wildwuchs zu befreien. Auch die Arbeiten im Graben sollten ebenfalls im Winter erfolgen. Grundsätzlich sollten die Arbeiten alle zwei Jahre oder nach Bedarf wiederholt werden. Als „Zwischenreinigung“ könne außerorts weiterhin nur das Bankett auf 1,20 Meter Breite gemulcht werden, innerorts auch nach Bedarf der Anwohner.

    Die Grünen hatten ihrerseits kurzfristig einen alternativen Vorschlag vorgelegt, der von den anderen Fraktionen und der Verwaltung wohlwollend aufgenommen wurde. „Damit entlang des Ravelweges Wild- und Wiesenblumen wachsen“ können, hatten die Grünen vorgeschlagen, die Bankettpflege vom Mulchen auf Mähen mit Abräumen des Mahdgutes umzustellen.

    Die Mahd solle bis zu zweimal im Jahr zu ökologisch sinnvollen Zeitpunkten und nicht auf allen Flächen gleichzeitig erfolgen. „Die gründliche Graben- und Bankettpflege erfolgt im Zweijahresrhythmus. Dabei werden nicht beide Seiten des Weges gleichzeitig, sondern jährlich abwechselnd bearbeitet. Der Ginster sowie nichtstörende Bäume bleiben erhalten, die freizuhaltenden Zugänge zu den Gräben werden auf ein Minimum begrenzt“, hatten die Grünen in ihrem Antrag geschrieben.

    Begründet hatten sie diesen damit, dass sich der Radweg zu einem Publikumsliebling entwickelt habe, wobei die Menschen „auch die herrliche Vegetation rechts und links der Strecke“ schätzen würden. Da Ginster und blühende Wildblumen für Begeisterung sorgen würden, sollten sich notwendige Pflegemaßnahmen daran orientieren. Schon jetzt würden die Bankette sehr gute Voraussetzungen für dauerhafte Blühstreifen mit einheimischen Wildblumen bieten und damit einen wichtigen Beitrag zum Insektenschutz leisten. Um Blühstreifen dauerhaft zu erhalten, sei das Mähen unerlässlich. Aber auf keinen Fall dürfe gemulcht werden, da dies unweigerlich zum Verlust der blühenden Vielfalt führen würde.

    Bürgermeister Jorma Klauss bezeichnete den Vorschlag der Grünen als „grundsätzlich sehr interessant“ und plädierte dafür, zunächst dem Beschlussvorschlag der Verwaltung zu folgen und über den der Grünen zu einem späteren Zeitpunkt zu beraten. Auch Klaus Onasch (SPD) fand den Vorschlag sinnvoll und regte an, die Rahmenbedingungen bis zur nächsten Sitzung zu klären und dann eine komplette Lösung zu verabschieden.

    Michael Seidel (CDU) sagte, er finde den Grünen-Vorschlag gut und wollte gerne in der nächsten Sitzung die Vor- und Nachteile beleuchten. Silvia Bourceau (UWG) wollte auch die andere Seite der Medaille beleuchtet wissen. Die ökologischen Aspekte seien das eine, auf der andererseits gebe es aber auch Kritik der Bürger, dass die Bankette zuwuchern würden, außerdem habe das Grün stellenweise auch schon den Asphalt angegriffen, sagte sie. Wolfgang Schruff (PRB) wies auf die Dringlichkeit der Gehölzarbeiten hin. Damit diese schnell erfolgen können, schlug Bernd Freialdenhoven (SPD) vor, den Beschluss in Gehölzarbeiten und Bankettpflege aufzusplitten.

    Am Ende wurde einstimmig beschlossen, zunächst dem Beschlussvorschlag der Verwaltung zu folgen, damit die Gehölzarbeiten noch im Winter erfolgen können, und in einer der nächsten Sitzungen auf den Vorschlag der Grünen zurückzukommen.

    https://www.aachener-nachrichten.de/lokales/eifel/pflege-der-graeben-und-bankette-entlang-des-vennbahnradwegs-in-roetgen_aid-35800917

    Foto: P. Stollenwerk


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